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Gebot der Stunde: Jeder Einzelne muss jetzt umsichtig und verantwortungsvoll handeln, um weiteren Anstieg der Infektionen zu verhindern

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit SARS CoV-2 steigt in Deutschland weiter an und erreichte zuletzt erstmals einen fünfstelligen Tageswert. Wenngleich Deutschland für den Umgang mit dem Virus deutlich besser gerüstet ist als zu Beginn der Pandemie, ist die kontinuierliche Steigerung der Fallzahlen ein Warnsignal.

Die derzeit geringe Hospitalisierungsrate und die niedrige Fallsterblichkeit von unter einem Prozent sei vor allem der aktuellen Verteilung der Infektionen in den jüngeren Altersgruppen zu verdanken. Doch diese Situation drohe mit den zunehmenden Infektionen bei älteren Menschen rasch zu kippen, so die Experten der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI). Abstands- und Hygieneregeln, aber vor allem auch Kontaktreduzierung müssten jetzt konsequent eingehalten werden, um einen weiteren Anstieg der Infektionen und möglichen Lockdown zu verhindern.

In vielerlei Hinsicht ist Deutschland aktuell im Kampf gegen SARS CoV-2 in einer deutlich besseren Situation als zu Beginn der Pandemie. Dazu tragen größere Testkapazitäten, eine ausreichende Ausstattung mit Schutzmasken in Kliniken und Pflegeeinrichtungen sowie mehr Erfahrung mit der Behandlung von COVID-19 bei. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Tatsache, dass aktuell die höchste Inzidenz noch in der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen verzeichnet wird, die ein geringes Komplikationsrisiko aufweist.

„Doch wir sollten diesen Spielraum nicht überschätzen. Wenn die Neuinfektionen in dieser Geschwindigkeit weiter zunehmen, ist dieser sehr rasch aufgebraucht“, sagt Professor Dr. Bernd Salzberger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und Leider der Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg.

Seit Anfang September steigen die Fallzahlen in der älteren Bevölkerung wieder an. Auch die Anzahl der Hospitalisierten nimmt seit Anfang September kontinuierlich zu: Während in der Kalenderwoche 36 die Anzahl der in einer Klinik behandelten COVID-19-Patienten noch bei 371 lag, stieg sie seither kontinuierlich auf zuletzt 1356 Hospitalisierte in der Kalenderwoche 42.

Es ist bei der derzeitigen Entwicklung nur eine Frage der Zeit, bis die Infektionen in immer größerer Zahl in die vulnerablen Gruppen hineingetragen werden, die Situation vermeintlich plötzlich kippt, wir in den Klinken rasch an unsere Kapazitätsgrenzen kommen und auch vermehrt Todesfälle sehen.

PROF. DR. BERND SALZBERGER

Bereits im April dieses Jahres hatte die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie in einer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass das Konzept, Ältere zu schützen und die Infektion in der jüngeren Alterskohorte weitgehend „durchlaufen zu lassen“ – also eine Strategie der „kontrollierten Durchseuchung“ – ein gefährlicher Irrweg wäre. Trotz der größeren Erfahrung bei der Behandlung von COVID-19 und einer Reihe von Behandlungsansätzen, gebe es gerade für schwere Verläufe noch keine wirksame und sichere Therapie, so Salzberger.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie richtet deshalb die Bitte an die Bevölkerung, die aktuellen Abstands- und Hygieneregeln konsequent einzuhalten und vor allem persönliche Kontakte zu reduzieren und auf Feiern zu verzichten.

Jeder Einzelne kann jetzt durch umsichtiges und selbstverantwortliches Handeln dazu beitragen, dass wir bestmöglich durch die nächsten Monate kommen.

 

Quellen:

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Okt_2020/2020-10-20-de.pdf?__blob=publicationFile

 

Bei Abdruck, Beleg erbeten.

 

Kontakt für Journalisten:

Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e. V.
Pressestelle Juliane Pfeiffer
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-693
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: pfeiffer@medizinkommunikation.org

www.dgi-net.de

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