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Nachruf

Am 02. Februar 2019 verstarb Herr Prof. Dr. Hans Dieter Pohle, einer der Gründerväter der DGI. Er hat nicht nur seine Klinik am heutigen Charité Campus Virchow-Klinikum zu einem der führenden Zentren für Infektionskrankheiten geformt, sondern auch durch zahlreiche Aktivitäten die Weiterentwicklung der Infektiologie in Deutschland befördert.

Hans D. Pohle wurde 1931 in Berlin geboren und studierte an der an der Humboldt-Universität Berlin und an der Freien Universität Berlin Medizin. Nach dem Staatsexamen und der Promotion über die Epidemiologie und Charakterisierung von Salmonellen folgte ein einjähriger USA-Aufenthalt . Im Jahr 1960 wurde Herr Pohle Assistenzarzt an der 2. Medizinischen Klinik des damaligen Rudolf-Virchow-Krankenhauses, die in dieser Zeit von Prof. F. O. Höring geleitet wurde, dem „Vater“ der klinischen Infektiologie in Deutschland. Bald wurde Pohle zum Oberarzt schließlich als Nachfolger von Höring als Chefarzt berufen. Wissenschaftliche Arbeiten zur Meningitis purulenta und Sepsis führten 1973 zur Habilitation und bald danach zur Ernennung zum außerplanmäßigen Professor.

Als Leiter einer der größten und traditionsreichsten Infektionskliniken Deutschlands verstand er es, umwälzende Entwicklungen in der Infektiologie aufzugreifen und in die klinische Praxis umzusetzen. Beispielhaft seien hier neue gastrointestinale Infektionen, zentralnervöse Infektionen, opportunistische Infektionen, Innovationen in der antiinfektiven Therapie etc. genannt. Die klinischen und infektiologischen Herausforderungen der HIV-Infektion sowie deren gesellschaftlichen Implikationen erkannte er früh. Zahlreiche nosologische Arbeiten und therapeutische Innovationen bei HIV/AIDS gehen auf ihn zurück. Neben seiner eigenen wissenschaftlichen Tätigkeit, die in über 700 Publikationen und Lehrbuchartikeln mündete, förderte er auch er die wissenschaftliche Betätigung seiner Mitarbeiter. Zahlreiche Promotionen und auch Habilitationen stehen hierfür exemplarisch.

1978 wurde im Rahmen der „seuchenmedizinischen“ Versorgung und Pandemieplanung der Länder Berlin und Brandenburg auf seine Initiative die größte deutsche Sonderisolierstation für Patienten mit hochkontagiösen Erkrankungen unter seiner Leitung eingerichtet. Damit war die neben dem Standort Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg Berlin der zweite Standort mit einer hochmodernen Isolierstation. 1990 wurde ebendort die erste deutsche HIV-Tagesklinik eröffnet.

Neben der wissenschaftlichen Leistung war Pohle ein außerordentlich guter klinische Lehrer. Am Primat der klinischen Tätigkeit vor der wissenschaftlichen Arbeit ließ Pohle nie einen Zweifel.

1973 gründete er gemeinsam mit Kollegen die die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie, der er von 1987 – 1997 als Präsident vorstand. 1991 initiierte er den Deutschen Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT), der sich über die Jahre zur zentralen wissenschaftlichen Veranstaltung der deutschsprachigen Infektiologen entwickelt hat.

Prof. Dr. Hans Dieter Pohle hat sich um die Infektiologie in Deutschland redlich verdient gemacht.

 

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Deutsche Gesellschaft für Infektologie e.V.
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